Kultur- und Wandertage in Luxemburg vom 05. bis 10.06.2016

 

„Auf nach Luxemburg“

 

Wolken – Wolken u. Regen, nichts als Regen, rundherum! Doch für 42 Wanderer und Kulturinteressierte des Rhönklub Tann startete am Sonntag, den 05.06.16 am Morgen ein Bus der RhönEnergie bei herrlichem Sonnenschein zu einer Kultur- und Wanderreise ins Großherzogtum Luxemburg. „Marschverpflegung“ war nicht nötig, denn wir stoppten zu einem Super-Frühstück in Raubach (Westerwald). Hier im Ort (etwa so groß wie Tann) waren wir von Gertrud und Rudolf Ulrich zum Schlemmen eingeladen. War die Wurst etwa aus der Heimat heimlich hierher gebracht worden? Nein, nein, alles war aus der Region und von Gertruds Tochter und Team in ihrem Gasthaus sehr lecker dargereicht worden. So gestärkt ging es weiter Richtung Cochem (Mosel). Die Mosel bildet eine natürliche Grenze zwischen dem Großherzogtum und Deutschland auf etwa 42 km. 4 Brücken verbinden die beiden Länder. Und, auch dort, man glaubt es kaum, …. Regen! Aber echt, der war bestellt! Rolfs Bus-Scheiben wollten es so. Dann dafür aber auch der ungetrübte Blick auf den Vater Rhein, braun allerdings von den Unwettern der Tage vorher. Vom Westerwald bis in die Eifel empfanden wir die Landschaft noch als fast heimisch, da die Höhenlage etwa der von Tann entspricht. Bei strahlendem Sonnenschein erreichten wir Cochem und „stürmten“ die Burg (früher eine Reichsburg). Die Führung dort war ein Erlebnis, die Burg selbst auch; leider machten nicht alle mit. Louis Ravenè, ein Hugenotte aus Berlin, hatte die zerstörte Burg 1868 wieder aufbauen lassen und dabei mit einem speziellen Kaminzimmer für Damen (dort war es immer warm!) schon sehr neuzeitlich gedacht. Von hier aus gab es schöne Ausblicke auf die Mosel, die aber so überschwemmt war, dass die Schifffahrt bereits eingestellt werden musste. Punktgenau beim Einstieg in den Bus:. …Regen! Egal, wir freuten uns schon auf das Waldhotel Albachmühle in Wasserliesch, einem Stadtteil der Verbandsgemeinde Konz. Das Logo spricht von „Wasserliesch…am Fluss der Geschichte“ Der Ort, wahrscheinlich keltischen Ursprungs, dann römisch, ist auch ein botanischer Begriff für Blumenbinse oder Schwanenblume. Einheimische nennen ihre Heimat „Löschem“. Hier wurden wir von der Hotelchefin, Frau Fiedler, mit einem süffigen Elbling-Weißwein begrüßt. Elbling?! Sind wir etwa an der Elbe gelandet? Nein, es handelt sich beim Elbling um eine Weinrebe von den Muschelkalkböden an den Hängen der Mosel. Und der Wein schmeeeckt! Na, das kann ja heiter werden. Zum Glück haben wir für die Sänger das Rhönklub Liederbuch und unsere bewährten Musikanten Seppl Herrlich, Günther Schmidt u. Josef Weber mitgebracht.

 

Unser Plan für den Montag sah einen ganztägigen Aufenthalt in Luxemburg vor. Ein kleines, grünes,vielfältiges Land und die gleichnamige Hauptstadt zeigten viele Gegensätze. Eine Stadtrundfahrt mit dem Bus führte uns zu geschichtsträchtigen Orten und Gebäuden. Die legendäre rote Brücke konnten wir unter- sowie über-fahren, das Bankenviertel, für das Luxemburg ja weltweit bekannt ist, weitere Finanzzentren, hochherrschaftliche Häuser mit vornehmen Balustraden, aber auch viele (gefühlte 100) Baustellen entdeckten wir hier. Und überall herrschte ein friedliches Sprachengewirr. Hier hat der Europäische Gerichtshof sein Domizil, ebenso eine futuristische Philharmonie! Das Gebäude vom RTL, von wo aus Frank Elstner früher am Mikrofon seine Sprüche in den Äther schickte. Alle internationalen Orchester sind oder waren hier zu Gast. Und wir! Die Krönung war eine sehr informative, interessante, geschichtsträchtige Stadtführung zu Fuß mit der äußerst kompetenten, deutschstämmigen Frau Walch, die seit Jahren hier lebt. Wir waren uns alle einig:

das war eine Stadtführung von Format!

In der Altstadt führte sie uns u. a. in eine evangelische Kirche, eine Kathedrale mit maurischen Säulen und Mustern in großer Zahl, denn es war den Mauren verboten Personen oder Gegenstände, auch Blumen o.ä. abzubilden. Weitere Einblicke gewährte uns die historische Altstadt mit ihrer 1000jährigen Geschichte. Viele Museen und die zum UNESCO Welterbe gehörende Festungsanlage mit den Kasematten (das sind gegen Beschuss gesicherte Gewölbe, die im Inneren eines massiven Baukörpers angelegt wurden) laden zum Besuch ein. Man nannte die Festung mit ihren Gängen, Labyrinten, Räumen und verschachtelten Treppen auch „das Gibraltar des Nordens“.

Seite 2

 

Während des Zweiten Weltkrieges dienten die Kasematten als Bombenschutzkeller für die Bevölkerung. 35.000 Personen konnten im Notfall hier unterkommen.

Der Abriss bzw. Schleifung der Burg dauerte seinerzeit (1867) 16 Jahre. Auf den Resten der alten Gemäuer wurden wieder Gebäude errichtet und mit sehr modernen Gestaltungselementen miteinander kombiniert zu einer beeindruckenden Kunstform. Die Stadt mit ihren ca. 110.000 Einwohnern ist so grün wie das Land und eine begehrte (auch teure) Wohngegend. Aber die öffentlichen Verkehrsmittel sind mit ca. 100 € für das ganze Jahr sehr günstig. „ Ach, übrigens“, sagte Frau Walch, „hier gibt es einen wunderschönen Stadtpark, darin steht das schönste Seniorenheim des Landes. Interessiert?“ Nein, gilt nicht für uns, es ist nur für die „Ur“einwohner der Stadt eingerichtet worden bzw. für Menschen, die schon sehr lange in Luxemburg wohnen.

 

Am Dienstag reisten wir an die französische Grenze nach Rumelange. Mit einem Grubenzug gelangten wir über die Grubenhalde übertage durch den Langegrund-Stollen in das Nationale Grubenmuseum untertage. Es bot uns viel Wissenswertes über die technische Entwicklung der Mineralgewinnung von den Anfängen vor 100 Jahren bis in die 80er Jahre unserer Zeit und die Untertagearbeit der Minenarbeiter im Eisenerzabbau. Eindrucksvoll erklärt und anschaulich beschrieben hat der Museumsführer uns die unvorstellbar harte Arbeit, z.B. das Bohren der Sprenglöcher in den Fels per Hand (!) bewusst gemacht. Maschinen im Wert von ca. 34 Mill. € die dort nicht mehr gebraucht werden rosten in den ca. 23 km langen Gängen vor sich hin. Und im gesamten Abbaugebiet sind es ca. 43.000 km.

Auf dem Rückweg zum Hotel wartete noch eine Überraschung auf uns: das Orchideenparadies Perfeist in Wasserliesch. Ein Gebiet auf dem Plateau des Löschemer Berges. Aufgrund von günstigen Klima- und Bodenverhältnissen wächst hier eine Vielzahl von inzwischen selten gewordenen und stark geschützten Orchideenarten von Knabenkraut bis zum Hummel-Ragwurz, den Juwelen der europäischen Flora. Die Wanderer unter uns wollten von hier aus durch das romantische Albachtal zurück zum Hotel aufbrechen, aber wir alle flüchteten vor dem aufziehenden Gewitter in den Bus.

 

Eine anspruchsvolle Wanderung von etwa 5 Stunden führte uns am Mittwoch in die Region Mullerthal, die „kleine Luxemburger Schweiz“ genannt. Wandern durch bizarre Felsspalten des Luxemburger Sandsteins und lichtdurchflutete Wälder sowie grüne Täler; wilde kleine Wasserläufe säumten den Weg. Alles zusammen ergibt die phantastische Welt entlang des sog. Mullerthal-Trails. Eine Vielzahl von Wandermöglichkeiten bieten sich hier. Am besten wir kommen mal wieder her. In den Felsen meint man Gesichter und Figuren zu erkennen. Kennt man Mythen und Sagen scheint hier und da eine Fee durch den Wald zu huschen. Weit sehen lassen uns die schönen Aussichtspunkte. Die Nichtwanderer waren mit Lilo zum malerischen Wasserfall „Schiessentümpel“ an der Schwarzen Ernz, eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region, und zur Burg gegangen.

Nur ganz wenig Regen hatten wir abgekriegt und so stärkten wir uns dann alle gemeinsam in einem Cafè mit Flair: dem Cigalon. Die Bedienung hatte hier etwas Schwierigkeiten mit der Sprache. Sie verstand unser französisch nicht! Durch große Fensterfronten sahen wir dem Unwetter draußen zu, wieder mal Glück gehabt.

Nach der Kaffeepause wollten wir eigentlich noch die älteste Stadt von Luxemburg besuchen. Aber unser Bus war zu schwer für Echternach und wir durften nicht in die Innenstadt reinfahren. Zum Laufen vom Stadtrand aus hatten wir keine rechte Lust und

so freuten wir uns auf ein Bierchen im Hotel und fuhren „heim“.

 

Am nächsten Tag brachen wir auf zu einer 3-Länder-Tour D/F/L. Ein Zwischenstopp in Orschotz, wo die Saar eine Schleife macht, die bekannte Saarschleife. Was für ein Ausblick! Den Schiffen zusehen, wie sie in die Kurve „gehen“, Wälder, Hügel in sattem Grün. Einfach nur schön. Nun fahren wir weiter nach Sierck les Bains/F um von hier aus zu Fuß etwa

 

 

Seite 3                                                            

 

7 – 8 km nach Schengen zu wandern. Durch schlechte Beschilderung lernen wir zunächst mal das Örtchen ein wenig kennen, ehe wir von netten Franzosen in die richtige Richtung zur Grenze geschickt werden. Entlang der Mosel wurde die Wanderung nicht langweilig.

In Europa gibt es 48 Drei-Länder-Eck! (lt. Duden Rechtschreibung gibt es keine Mehrzahl) Der Donnerstag machte uns mit einem ganz besonderen bekannt. Das Drei-Länder-Eck bei Schengen. Dieser malerische Weinort  wurde für die berühmte Unterzeichnung des Schengener Abkommens am 14.04.1985 gewählt. Die Vereinbarung von 5 Staaten: Belgien, Luxemburg, Deutschland, Frankreich und die Niederlande war der erste Schritt zur Beseitigung der Binnengrenzen in Europa. Ein Infocenter gibt Auskunft über den Ablauf, die Namen und den Ort der Unterzeichnung: ein Schiff! Ein Teil der Berliner Mauer, die Nationensäule, Bildnisse wichtiger Weltpolitiker z.B. von Merkel und Gorbatschow und vieles mehr sind hier zu bestaunen. Mit dem M.S. Princesse Marie-Astrid, einem Luxusschiff, wollten wir weiter nach Grevenmacher (L) reisen. An Bord des Vorgängers dieses Schiffes mit gleichem Namen, soll die o.e. Unterzeichnung stattgefunden haben. Wir wollten, aber wir konnten nicht. Ein riesiges Frachtschiff legte an und wegen des Hochwasserstandes war ein Einstieg sowieso nicht möglich. Also weiter mit dem Bus bis zu einer möglichen Anlegestelle in Remich. 1 Stunde später als geplant legten wir ab. Kaffee, Eis und leckerer Apfelkuchen versöhnte uns wieder. Na, und erst der Sonnenschein auf dem Achterdeck, dazu handgemachte Musik (nicht vom Band), und erstklassige Ausblicke auf die schöne Mosel-

landschaft mit ihren vielen Burgen.

Bei dem Grillabend im Hotel ließen wir uns das Essen weiter munden.

 

Viel zu schnell war Freitag, der Tag unserer Rückreise gekommen. Frau Fiedler, die Hotelchefin, winkte kräftig und wir versprachen, bald mal wieder zu kommen. Ein Halt am Schloß Sayn in Bendorf bescherte uns im dortigen Garten der exotischen Schmetterlinge

eine interessante Einführung in den faszinierenden Lebenskreislauf dieser Tierchen, die jedoch ein ganz schönes Ausmaß annehmen können. Der größte Schmetterling hatte eine Spannweite von über 25 cm.

Ein weiteres Eck wartete auf uns: Das berühmte Deutsche Eck. Hier mündet nicht nur die Mosel in den Rhein, es gibt auch sonst viel zu sehen, z.B. das Reiterstandbild von unserem Kaiser Maximilian I. und die über allem thronende Feste Ehrenbreitstein (die zweitgrößte erhaltene Festung Europas), sowie eine Seilbahn mit der weltweit höchsten Förderkapazität.

Anlässlich der Bundesgartenschau Koblenz 2011 erbaut, wird gemunkelt, dass sie bald wieder verschwinden soll. Die Bürger möchten sie aber mindestens bis 2026 behalten, der technisch längstmöglichen Betriebsdauer falls sie kein Bleiberecht erhält.

Rolf brachte uns, wie gewohnt mit flotten Sprüchen, wieder sicher und bei Sonnenschein  in die Heimat zurück. Hatten wir ein Glück, nicht nur mit dem Wetter!

 

 

Danken möchten wir ganz besonders unserem Organisatorenteam Heinrich Mallwitz und seiner Lilo, unserem Finanzgenie Karin Rohde, den Sponsoren G. u. R. Ulrich, den Musikern Seppl Herrlich, Günther Schmidt und Josef Weber, seiner Frau Gertrud, (der Kuchen-bäckerin aus Föhlritz), Ehepaar Herbst, dem stets souveränen Busfahrer Rolf, sowie allen weiteren Mitwirkenden bei der Schilder- und Personensuche etc. Wem dieser tolle Urlaub nicht gefallen hat oder wer nichts von der Kulturschwemme gelernt hat, ist selber schuld, meint nicht nur Eure

 

Ursula Erk

 

 

(ohne Gewähr)